Eine Reise in die Ukraine und warum ich Nationalismus doof finde

Also fangen wir doch mal von vorne an. Die Reise soll gen Osten gehen, in die Ukraine. Und das klingt ja erst mal richtig weit weg. Denn der gewöhnliche Tourist fährt ja doch eher in den Süden. Und die Ukraine gehört ja nicht mal zur EU. Aber dann kommt schon mal die erste Erkenntis: Die Ukraine ist nicht weiter weg als Österreich, und da fahre ich inzwischen doch ziemlich oft und selbstverständlich hin. Okay, bis Kiew oder gar ans Schwarze Meer ist es dann doch noch mal ein kleines Stückchen, aber erst mal ist die Ukraine bei weitem nicht so weit weg wie es sich anfühlt.

Also die Reise geplant, ins Auto gesetzt und dann ab die Post. Bis ans Ende der Welt. Ach nee, nur bis ans Ende von Polen und somit bis ans Ende von Europa, ach nee, von der Europäischen Union. Und dann steht man da, vor dieser Grenze. Zäune mit Stacheldraht, Uniformierte mit Maschinengewehren und die klare Botschaft: Du kommst hier nicht durch, wenn wir das nicht wollen. Also ganz brav in die Reihe gestellt, Pass vorgezeigt, alle Stempelchen eingeholt und nach doch schon vier Stunden sind wir endlich in der Ukraine.

Und dann soll mir mal einer kommen, der die EU abschafen will, die Grenzen wieder zu machen will. Na klar, damit keiner rein kommt, den wir hier nicht haben. Aber als ob das nicht schlimm genug wäre, nein, man käme selbst auch nicht mehr so gut raus. Man ist ja sowas gar nicht mehr gewohnt, in weiten Teilen Europas können wir einfach so hin und her fahren, mit dem selben Geld bezahlen, zum selben Tarif telefonieren und im Internet surfen. Tja, die Macht der Gewohnheit, irgendwann wird alles selbsverständlich und man verliert die Wertschätzung. Die Wertschätzung gegenüber einer unglaublichen Freiheit, gegenüber unzähligen Privilegien. Und weil die Dinge so selbstverständlich geworden sind wollen wir noch mehr, wollen sie für uns allein, wollen wir uns abschotten gegen die, die uns unsere Privilegien vermeintlich streitig machen wollen. Und merken nicht, dass wir uns selbst genau dadurch unserer eigenen Freiheiten berauben.

Vielleicht sollte man jeden, der wieder zurück zur Kleinstaaterei will, der wieder die D-Mark will oder gar Zäune oder Mauern wieder aufbauen will, an eine solche Grenze schicken. Klar, am Ende war die Einreise kein Problem, wir kamen ja aus dem Westen, aber das Gefühl des Unbehagens und der Angst, das war sehr präsent. Ich finde dieses Gefühl ziemlich blöd. Ich finde Stacheldrähte ziemlich blöd, die einen von Menschen trennen, die wirklich extrem nett und freundlich sind. Ich kann daran nichts gutes finden, dass wir uns verbarrikadieren sollten, nur damit unsere Schäfchen schön trocken bleiben. Ich fände unsere Welt deutlich schöner, wenn es weniger Stacheldräht gäbe, wenn man Menschen nicht mit Maschinengewehren voneinander trennen müßte, wenn es einfach ein bißchen mehr Frieden gäbe.


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